Geschlossen-Schild an einer Glastür

Firmeninsolvenzen: Welche Branchen besonders betroffen sind

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist seit 2023 deutlich gestiegen und liegt auf einem Niveau, wie es seit vielen Jahren nicht mehr zu beobachten war. Für Lieferanten und Geschäftspartner ist das mehr als eine Statistik. Jede Pleite eines Kunden kann Forderungsausfälle und im schlimmsten Fall eigene Liquiditätsprobleme auslösen. Wer versteht, warum Firmeninsolvenzen zunehmen und wo sie sich häufen, kann Risiken früher erkennen.

Warum die Zahl der Firmeninsolvenzen hoch bleibt

Mehrere Faktoren wirken zusammen. Die Wirtschaft ist über Jahre kaum gewachsen, während Kosten für Energie, Material und Personal deutlich gestiegen sind. Die Zinswende hat Finanzierungen verteuert, gerade für Unternehmen mit hoher Verschuldung. Hinzu kommt ein Nachholeffekt: Während der Pandemie hielten staatliche Hilfen und die zeitweise ausgesetzte Insolvenzantragspflicht viele schwache Unternehmen am Leben. Ein Teil dieser Insolvenzen hat sich nur verschoben.

Auch der Strukturwandel trägt bei. Geschäftsmodelle, die auf billige Energie, stationären Handel oder hohe Margen im Verbrennergeschäft setzten, geraten dauerhaft unter Druck. Nicht jede Insolvenz ist deshalb konjunkturell bedingt.

Die am stärksten betroffenen Branchen

  • Bau: Hohe Materialkosten, gestiegene Zinsen und eine eingebrochene Nachfrage im Wohnungsbau haben viele Bauträger und Handwerksbetriebe in Schwierigkeiten gebracht. Lange Zahlungsketten verstärken das Risiko von Folgeinsolvenzen bei Subunternehmern.
  • Handel: Der stationäre Einzelhandel leidet unter Konsumzurückhaltung, Onlinekonkurrenz und steigenden Kosten. Betroffen sind vor allem Mode, Schuhe und Einrichtung.
  • Gastgewerbe: Gestiegene Personal- und Lebensmittelkosten und die Rückkehr zum regulären Mehrwertsteuersatz auf Speisen in den Jahren 2024 und 2025 haben die Margen geschmälert. Die Senkung auf sieben Prozent ab 2026 bringt Entlastung, ändert aber nichts an den Personalkosten.
  • Verkehr und Logistik: Kleinere Speditionen kämpfen mit hohen Kosten, Fahrermangel und Preisdruck.
  • Industrie: Insbesondere Automobilzulieferer und energieintensive Betriebe melden häufiger Insolvenz, darunter auch größere Unternehmen mit vielen Beschäftigten.

Frühwarnzeichen, die Lieferanten kennen sollten

Insolvenzen kündigen sich oft an. Aufmerksame Lieferanten können auf folgende Signale achten:

  • Zahlungen kommen schleppender, Skonti werden nicht mehr gezogen, Zahlungsziele überschritten
  • Der Kunde bittet um Ratenzahlung oder längere Fristen
  • Bestellmuster ändern sich, etwa kleinere Mengen oder plötzliche Großbestellungen auf Ziel
  • Häufige Wechsel bei Ansprechpartnern, in der Geschäftsführung oder bei der Hausbank
  • Jahresabschlüsse werden verspätet oder gar nicht veröffentlicht
  • Negative Meldungen von Auskunfteien oder Hinweise aus der Branche

So schützen sich Unternehmen

Ein systematisches Forderungsmanagement ist die wichtigste Verteidigung. Dazu gehören Bonitätsprüfungen vor größeren Aufträgen, individuelle Kreditlimits pro Kunde und ein konsequentes Mahnwesen. Eine Warenkreditversicherung sichert Ausfälle ab und liefert gleichzeitig Informationen über die Bonität der Kunden. Eigentumsvorbehalte, Anzahlungen und Bürgschaften bieten zusätzlichen Schutz.

Wichtig ist auch das Wissen um die Insolvenzanfechtung. Zahlungen, die ein Kunde in der Krise geleistet hat, können vom Insolvenzverwalter unter bestimmten Umständen zurückgefordert werden, etwa wenn der Lieferant von der Zahlungsunfähigkeit wusste. Wer Ratenzahlungen vereinbart, sollte sich deshalb rechtlich beraten lassen.

Die hohe Zahl der Firmeninsolvenzen dürfte sich erst mit einer spürbaren konjunkturellen Erholung zurückbilden. Bis dahin gilt: Wer Kundenrisiken aktiv beobachtet und absichert, schützt nicht nur seine Forderungen, sondern auch die eigene Stabilität.

Nach oben scrollen