Stift auf Papier mit Diagramm

Mittelstandsanleihen: Anleihe statt Bankkredit

Für die meisten Mittelständler ist die Hausbank der erste Ansprechpartner, wenn es um Finanzierung geht. Doch strengere Kreditvergabe und der Wunsch nach Unabhängigkeit lassen manche Unternehmen nach Alternativen suchen. Mittelstandsanleihen bieten die Möglichkeit, Kapital direkt bei Investoren aufzunehmen. Nach einer schwierigen Phase finden kleinere Emissionen wieder Käufer, allerdings nur, wenn Unternehmen und Konzept überzeugen.

Was Mittelstandsanleihen ausmacht

Eine Anleihe ist ein Schuldschein, mit dem ein Unternehmen Geld von vielen Anlegern leiht. Diese erhalten einen festen Zins und am Ende der Laufzeit ihr Geld zurück. Als Mittelstandsanleihen bezeichnet man Emissionen kleinerer und mittlerer Unternehmen, die oft im zweistelligen Millionenbereich liegen. Zeitweise gab es eigene Börsensegmente für solche Papiere. Nach einer Reihe von Ausfällen um die Mitte der 2010er Jahre wurde das Marktumfeld deutlich schwieriger, und Anleger wurden vorsichtiger.

Heute läuft die Platzierung häufig über spezialisierte Banken und Emissionsberater, teils kombiniert mit einem öffentlichen Angebot an Privatanleger und einer Privatplatzierung bei institutionellen Investoren. Eine Alternative für etwas größere Unternehmen ist das Schuldscheindarlehen, das ohne Börsennotierung auskommt und vor allem von Banken, Versicherungen und Sparkassen gezeichnet wird.

Zinsen und Kosten im Vergleich zum Bankkredit

Anleihen sind in der Regel teurer als ein besicherter Bankkredit. Investoren verlangen eine Prämie für das Risiko und die geringere Liquidität kleiner Papiere. Die Höhe des Zinses hängt stark von Bonität, Branche, Besicherung und Marktumfeld ab. Hinzu kommen einmalige Kosten für Berater, Prospekt, Rating, Rechtsanwälte und Vermarktung sowie laufende Kosten für Zahlstelle und Berichterstattung. Diese Fixkosten machen sehr kleine Emissionen unwirtschaftlich.

Dafür bieten Anleihen Vorteile, die ein Bankkredit nicht hat: Die Rückzahlung erfolgt meist endfällig, was die Liquidität während der Laufzeit schont. Sicherheiten sind oft nicht oder nur eingeschränkt nötig. Und das Unternehmen wird unabhängiger von einer einzelnen Bank.

Pflichten für Emittenten

Wer eine Anleihe begibt, tritt an den Kapitalmarkt und übernimmt damit Pflichten:

  • Wertpapierprospekt nach EU-Prospektverordnung bei öffentlichen Angeboten, mit Billigung durch die zuständige Aufsicht
  • Regelmäßige Veröffentlichung von Jahres- und teilweise Halbjahresabschlüssen
  • Ad-hoc-Publizität und Insiderregeln bei börsennotierten Anleihen nach der Marktmissbrauchsverordnung
  • Einhaltung vereinbarter Finanzkennzahlen und Auflagen aus den Anleihebedingungen
  • Ein externes Rating wird von vielen Investoren erwartet, auch wenn es nicht immer vorgeschrieben ist

Für wen sich die Anleihe eignet

Geeignet sind Unternehmen mit stabilem Geschäftsmodell, nachvollziehbarer Ertragslage und einem klaren Verwendungszweck, etwa für Wachstum, Übernahmen oder die Ablösung teurerer Finanzierungen. Auch die Größe spielt eine Rolle. Weil die Fixkosten einer Emission erheblich sind, lohnt sich der Weg meist erst ab einem gewissen Finanzierungsvolumen. Unternehmen sollten zudem prüfen, ob sie die Anforderungen an Berichterstattung und Kommunikation dauerhaft erfüllen können, ohne die Finanzabteilung zu überlasten. Investoren erwarten aktuelle Informationen, Erreichbarkeit und eine nachvollziehbare Strategie. Ein holpriger Auftritt am Kapitalmarkt kann den Ruf des Unternehmens auch bei Kunden und Lieferanten beschädigen. Wichtig ist eine realistische Planung, wie die Anleihe am Laufzeitende zurückgezahlt oder refinanziert wird. Gerade daran sind in der Vergangenheit viele Emittenten gescheitert.

Unternehmen, die über eine Anleihe nachdenken, sollten frühzeitig mit Beratern sprechen, die Finanzberichterstattung professionalisieren und die Kommunikation mit Investoren als Daueraufgabe begreifen. Mittelstandsanleihen sind kein Ersatz für die Hausbank, aber eine sinnvolle Ergänzung im Finanzierungsmix für Unternehmen, die Transparenz nicht scheuen.

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