50-Euro-Scheine auf einem Holztisch

Euro-Dollar-Kurs: So sichern Mittelständler Währungsrisiken ab

Wer Waren in die USA verkauft oder Rohstoffe in US-Dollar einkauft, kennt das Problem: Schon wenige Prozent Bewegung beim Euro-Dollar-Kurs können die Marge eines Auftrags aufzehren. Große Konzerne beschäftigen dafür eigene Treasury-Abteilungen. Doch auch Mittelständler können ihre Währungsrisiken mit überschaubarem Aufwand steuern, wenn sie die passenden Instrumente kennen.

Wo das Risiko entsteht

Zunächst gilt es, das eigene Risiko zu verstehen. Es gibt drei typische Formen. Das Transaktionsrisiko betrifft konkrete Geschäfte, etwa eine Rechnung in Dollar, die in drei Monaten fällig wird. Das Translationsrisiko entsteht bei der Umrechnung von Bilanzen ausländischer Tochtergesellschaften. Das ökonomische Risiko schließlich beschreibt die langfristige Wettbewerbsposition: Ein starker Euro macht europäische Produkte gegenüber amerikanischen Konkurrenten teurer, auch wenn ein Unternehmen gar nicht in Dollar fakturiert.

Für die meisten Mittelständler steht das Transaktionsrisiko im Vordergrund. Ein erster Schritt ist eine einfache Übersicht: Welche Zahlungseingänge und -ausgänge in Fremdwährung sind in den kommenden zwölf Monaten zu erwarten, und wie sicher sind sie?

Natürliche Absicherung zuerst

Bevor Finanzinstrumente zum Einsatz kommen, lohnt ein Blick auf operative Möglichkeiten. Wer sowohl Einnahmen als auch Ausgaben in Dollar hat, kann diese gegeneinander aufrechnen. Möglich ist etwa, Vorprodukte gezielt in Dollar einzukaufen, ein Dollarkonto zu führen oder einen Teil der Produktion in den Dollarraum zu verlagern. Auch die Vertragsgestaltung hilft: Rechnungen in Euro verlagern das Risiko auf den Kunden, sind aber nicht immer durchsetzbar. Währungsklauseln, die den Preis ab einer bestimmten Kursbewegung anpassen, sind ein Kompromiss.

Instrumente zur Absicherung des Euro-Dollar-Kurses

Bleibt ein Restrisiko, stehen vor allem diese Instrumente zur Verfügung:

  • Devisentermingeschäft: Der Wechselkurs für einen zukünftigen Zeitpunkt wird heute fest vereinbart. Einfach, kostengünstig und für die meisten Mittelständler das Standardinstrument. Nachteil: Man profitiert nicht von günstigen Kursbewegungen.
  • Devisenswap: Kombination aus Kassa- und Termingeschäft, nützlich, wenn sich Zahlungstermine verschieben.
  • Devisenoption: Das Recht, aber nicht die Pflicht, zu einem bestimmten Kurs zu tauschen. Schützt gegen ungünstige Bewegungen und lässt Chancen offen, kostet aber eine Prämie.
  • Strukturierte Produkte: Kombinationen mehrerer Optionen. Sie können die Prämie senken, sind aber komplex und bergen teils erhebliche Risiken.

Welches Instrument zu welcher Unternehmensgröße passt

Kleinere Unternehmen mit gelegentlichen Fremdwährungsgeschäften fahren mit Termingeschäften und natürlicher Absicherung meist gut. Mittlere Exporteure mit regelmäßigen Zahlungsströmen sollten eine schriftliche Sicherungsrichtlinie festlegen: Welcher Anteil des erwarteten Volumens wird für welchen Zeitraum abgesichert? Bewährt hat sich ein gestaffeltes Vorgehen, bei dem sichere Zahlungen weitgehend und unsichere Planzahlen nur teilweise abgesichert werden. Optionen eignen sich vor allem für Angebotsphasen, in denen noch unklar ist, ob ein Auftrag zustande kommt.

Organisatorisch sollte klar geregelt sein, wer Sicherungsgeschäfte abschließen darf und wie sie dokumentiert werden. Ein Vier-Augen-Prinzip und eine regelmäßige Berichterstattung an die Geschäftsführung schützen vor Fehlern. Auch die Bilanzierung verdient Aufmerksamkeit, denn Bewertungsergebnisse von Sicherungsgeschäften können das Ergebnis beeinflussen, wenn sie nicht als Bewertungseinheit mit dem Grundgeschäft behandelt werden.

Wichtig ist, keine Spekulation zu betreiben. Ein Sicherungsgeschäft sollte immer einem konkreten Grundgeschäft zugeordnet sein. Unternehmen sollten außerdem Angebote mehrerer Banken vergleichen, da die Aufschläge auf Devisenkurse oft wenig transparent sind.

Den Euro-Dollar-Kurs kann kein Unternehmen vorhersagen. Wer seine Risiken kennt, klare Regeln aufstellt und einfache Instrumente konsequent nutzt, macht seine Kalkulation aber unabhängig von den Launen des Devisenmarkts.

Nach oben scrollen